Impressionen eines Bistrobesuchs, 2001

Projekt: Meinolf Lüdenbach inszeniert einen Besuch bei einem Friseur in Wort und Bild, Dessau 2004

Friseur in Dessau, 2004

Impressionen eines Bistrobesuchs, 2001

Meinolf Lüdenbach sieht sein Werk „Impressionen eines Bistrobesuchs“ mit den Augen eines Kritikers.

Impressionen eines Bistrobesuchs, 2001
5 Bilder, gerahmt, 120x120
Euro 12.000


Meinolf Lüdenbach über das Projekt.

„Man muss die Dinge schon so sehen wie sie sind. Gerade bei einem Bistrobesuch fällt mir immer wieder auf, dass sich die meisten Gäste von völlig unwichtigen Dingen wie z.B. Speisen und Getränke, Bedienungen und Preise, Angeboten von der Mittagskarte etc. ablenken lassen. Es entsteht fast der Eindruck, er drängt sich mir förmlich auf, als wären diese Leute zum Vergnügen in einem Bistro.“

Meinolf Lüdenbach weiter:

„Bei mir ist das anders. Ich sehe die Dinge nicht, ich nehme lediglich das Licht auf, welches Sie reflektieren. Dieses Licht lasse ich ohne jegliche Filterung auf meine Netzhaut treffen und mache mir so meine Gedanken. Meinolf Lüdenbach ist ein Denker. Aber er ist auch großzügig. Und aus diesem Grunde habe ich für alle die ein Bistro besuchen und Ihren Blick nicht auf das Wesentliche beschränken können, meine Eindrücke eines Bistrobesuches in diesem Werk festgehalten.“

Der Bistrobesuch in chronologischer Reihenfolge:

Meinolf Lüdenbach sieht einen Kaktus: „Oh, der Wirt hat einen Kaktus in sein Bistro gestellt. Das ist ja nett von Ihm. Es scheint ein netter Wirt zu sein, wenn er extra für mich einen Kaktus aufstellt. Wenn ich den Wirt kennen lerne, werde ich Ihm sagen, dass mir der Kaktus sofort aufgefallen ist.“

Meinolf Lüdenbach sieht eine gelbe Wand: „Der Wirt legt wirklich großen Wert auf das Aussehen seines Bistros. Vermutlich hat er sich entschlossen die Wand gelb anzustreichen, nachdem er den Kaktus für mich aufgestellt hat.“

Meinolf Lüdenbach sieht einen Teppichboden: „Erschreckend, wie viele
Menschen die Farbe des Teppichbelages nicht wahrnehmen auf dem Sie stehen. Ich würde wetten, kein einziger der anwesenden Gäste könnte mir die Farbe des Teppichbodens nennen, würde ich ihm die Augen verbinden und fragen. Aber ich habe ihn gesehen wie er dalag.“

Meinolf Lüdenbach sieht einen Bezug aus Kunstleder: „Oh, das habe ich jetzt aber nicht vermutet. Ich dachte wirklich der Wirt legt wert auf sein Bistro. Jetzt muss ich erkennen, dass er die Bänke mit Kunstleder überzogen hat. Der Wirt tut mir nun sehr leid. Aber ich werde ihm einen Rat geben. Ich rate ihm die Preise seiner Speisen anzuheben. Er soll für jede Speise zehn Euro und für jedes Getränk fünf Euro mehr verlangen. Auf die Speisekarte kann er schreiben: Liebe Gäste für geraume Zeit erhöhe ich die Preise um Geld für einen echten Lederbezug zu sammeln – Vielen Dank für Ihr Verständnis. Das versteht nun wirklich der Dümmste und schon nach kurzer Zeit können die Gäste des Bistros auf echtem Leder Platz nehmen.

Meinolf Lüdenbach sieht einen Tisch mit Marmorplatte: „Jetzt verstehe ich langsam gar nichts mehr! Jetzt stellt der Wirt doch tatsächlich Bistrotische in sein Bistro. Warum bleibt wohl das Geheimnis des Wirtes. Ich hätte Ihm andere Tische empfohlen. Aber er geht wohl den Weg des geringsten Widerstandes. Er ahnt vermutlich, dass seine Gäste sowieso nichts kapieren. Trotzdem hätte ich schwere rustikale Holzbänke vorgezogen. Oder Rittertafeln, oder ähnliches. Eine Art Tisch eben, auf dem man gerne ein schnelles Mittagsgericht verspeist.

In der nun folgenden Bildserie sehen Sie, wie ich den Besuch des Bistros visuell wahrgenommen habe. Sehen Sie also wie Meinolf Lüdenbach sieht, wenn er in ein Bistro geht …