Impressionen
eines Bistrobesuchs, 2001
5 Bilder, gerahmt, 120x120
Euro 12.000
Meinolf Lüdenbach
über das Projekt.
„Man
muss die Dinge schon so sehen wie sie sind. Gerade bei einem Bistrobesuch
fällt mir immer wieder auf, dass sich die meisten Gäste von
völlig unwichtigen Dingen wie z.B. Speisen und Getränke, Bedienungen
und Preise, Angeboten von der Mittagskarte etc. ablenken lassen. Es entsteht
fast der Eindruck, er drängt sich mir förmlich auf, als wären
diese Leute zum Vergnügen in einem Bistro.“
Meinolf
Lüdenbach weiter:
„Bei
mir ist das anders. Ich sehe die Dinge nicht, ich nehme lediglich das
Licht auf, welches Sie reflektieren. Dieses Licht lasse ich ohne jegliche
Filterung auf meine Netzhaut treffen und mache mir so meine Gedanken.
Meinolf Lüdenbach ist ein Denker. Aber er ist auch großzügig.
Und aus diesem Grunde habe ich für alle die ein Bistro besuchen und
Ihren Blick nicht auf das Wesentliche beschränken können, meine
Eindrücke eines Bistrobesuches in diesem Werk festgehalten.“
Der Bistrobesuch
in chronologischer Reihenfolge:
Meinolf
Lüdenbach sieht einen Kaktus: „Oh, der Wirt hat
einen Kaktus in sein Bistro gestellt. Das ist ja nett von Ihm. Es scheint
ein netter Wirt zu sein, wenn er extra für mich einen Kaktus aufstellt.
Wenn ich den Wirt kennen lerne, werde ich Ihm sagen, dass mir der Kaktus
sofort aufgefallen ist.“
Meinolf
Lüdenbach sieht eine gelbe Wand: „Der Wirt legt
wirklich großen Wert auf das Aussehen seines Bistros. Vermutlich
hat er sich entschlossen die Wand gelb anzustreichen, nachdem er den
Kaktus für mich aufgestellt hat.“
Meinolf
Lüdenbach sieht einen Teppichboden: „Erschreckend,
wie viele
Menschen die Farbe des Teppichbelages nicht wahrnehmen auf dem Sie stehen.
Ich würde wetten, kein einziger der anwesenden Gäste könnte
mir die Farbe des Teppichbodens nennen, würde ich ihm die Augen
verbinden und fragen. Aber ich habe ihn gesehen wie er dalag.“
Meinolf
Lüdenbach sieht einen Bezug aus Kunstleder: „Oh,
das habe ich jetzt aber nicht vermutet. Ich dachte wirklich der Wirt
legt wert auf sein Bistro. Jetzt muss ich erkennen, dass er die Bänke
mit Kunstleder überzogen hat. Der Wirt tut mir nun sehr leid. Aber
ich werde ihm einen Rat geben. Ich rate ihm die Preise seiner Speisen
anzuheben. Er soll für jede Speise zehn Euro und für jedes
Getränk fünf Euro mehr verlangen. Auf die Speisekarte kann
er schreiben: Liebe Gäste für geraume Zeit erhöhe ich
die Preise um Geld für einen echten Lederbezug zu sammeln –
Vielen Dank für Ihr Verständnis. Das versteht nun wirklich
der Dümmste und schon nach kurzer Zeit können die Gäste
des Bistros auf echtem Leder Platz nehmen.
Meinolf
Lüdenbach sieht einen Tisch mit Marmorplatte: „Jetzt
verstehe ich langsam gar nichts mehr! Jetzt stellt der Wirt doch tatsächlich
Bistrotische in sein Bistro. Warum bleibt wohl das Geheimnis des Wirtes.
Ich hätte Ihm andere Tische empfohlen. Aber er geht wohl den Weg
des geringsten Widerstandes. Er ahnt vermutlich, dass seine Gäste
sowieso nichts kapieren. Trotzdem hätte ich schwere rustikale Holzbänke
vorgezogen. Oder Rittertafeln, oder ähnliches. Eine Art Tisch eben,
auf dem man gerne ein schnelles Mittagsgericht verspeist.
In der nun
folgenden Bildserie sehen Sie, wie ich den Besuch des Bistros visuell
wahrgenommen habe. Sehen Sie also wie Meinolf Lüdenbach sieht, wenn
er in ein Bistro geht …

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